„Wahlcheck 2026“
Bad Kreuznach. Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz hat der DEHOGA Rheinland-Pfalz (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) Spitzenpolitikerinnen und -politiker zu einer Podiumsdiskussion nach Bad Kreuznach eingeladen. Offiziell als „Wahlcheck 2026“ angekündigt, wurde die Veranstaltung als Dialogformat zwischen Politik und Unternehmerschaft präsentiert. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch: Das Podium war zugleich ein Beispiel dafür, wie eng Wahlkampf und politische Interessenvertretung miteinander verknüpft sind.
Wahlcheck kurz vor dem Urnengang
Der Zeitpunkt der Veranstaltung ist kein Zufall. Die Landtagswahl am 22. März 2026 rückt näher, Parteien schärfen ihre Profile und sind offen für Gespräche mit gesellschaftlichen Gruppen. Genau hier setzt der DEHOGA an: Als Interessenverband der Hotellerie und Gastronomie sucht er traditionell den direkten Austausch mit politischen Entscheidungsträgern – insbesondere dann, wenn programmatische Weichenstellungen anstehen.
Auf dem Podium diskutierten Vertreterinnen und Vertreter von CDU, FDP, SPD, Grünen und Freien Wählern. Andere politische Kräfte blieben außen vor.
Klare Themen, klarer Adressatenkreis
Inhaltlich drehte sich die Diskussion fast ausschließlich um wirtschaftliche Fragen der Branche. Bürokratieabbau, Steuern und Abgaben, Energiepreise, Digitalisierung sowie der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel dominierten die Wortbeiträge. Gesellschaftspolitische oder übergeordnete landespolitische Themen spielten hingegen kaum eine Rolle.
Auch das Publikum war klar definiert: Unternehmerinnen und Unternehmer aus Hotellerie und Gastronomie. Damit entstand ein Forum, in dem politische Positionen gezielt auf die Erwartungen eines spezifischen Wirtschaftssektors zugeschnitten werden konnten.
Zwischen Dialog und Lobbyarbeit
Solche Formate sind rechtlich unproblematisch und demokratisch legitim. Wirtschaftsverbände dürfen ihre Anliegen öffentlich vertreten und politische Akteure dürfen diese anhören. Dennoch wird am Beispiel des Wahlchecks deutlich, wie fließend die Grenze zwischen politischem Austausch und Lobbyarbeit verläuft.
Wenn Spitzenkandidaten kurz vor einer Wahl ihre Positionen vor einem klar umrissenen Interessenpublikum darlegen, geht es nicht nur um Information, sondern auch um Einflussnahme. Aussagen, Zusagen oder Schwerpunktsetzungen können Erwartungen wecken – und politischen Druck für die Zeit nach der Wahl erzeugen.

Transparenz als entscheidender Faktor
Der DEHOGA betont, mit dem Wahlcheck Transparenz schaffen zu wollen. Tatsächlich fand die Veranstaltung öffentlich statt und machte sichtbar, welche Prioritäten die Parteien für die Branche setzen. Gleichzeitig zeigt sie aber auch exemplarisch, wie organisiert und zielgerichtet Interessenvertretung im Wahlkampf funktioniert.
Für Wählerinnen und Wähler ist diese Einordnung entscheidend: Podiumsdiskussionen wie diese sind keine neutralen Debattenräume, sondern Teil eines politischen Prozesses, in dem Verbände versuchen, ihre Anliegen frühzeitig bei möglichen künftigen Entscheidungsträgern zu platzieren.
Fazit
Der Wahlcheck in Bad Kreuznach verdeutlicht, dass Landtagswahlen nicht nur an Wahlständen und in Parteiprogrammen entschieden werden, sondern auch in geschlossenen Dialogformaten zwischen Politik und organisierten Interessen. Lobbyarbeit wird dabei nicht verborgen, sondern offen praktiziert – eingebettet in den demokratischen Wahlkampf.
https://www.antenne-kh.de/stadtrat-bad-kreuznach-beschliesst-teures-parken-statt-bettensteuer.html