Die Hoffnung auf eine Rettung des BioNTech-Standorts in Idar-Oberstein ist offenbar vorbei. Nach Informationen des SWR hat das Mainzer Unternehmen keinen Investor für das Werk gefunden. Damit müssen sich rund 440 Beschäftigte auf den Verlust ihrer Arbeitsplätze einstellen. Der Betrieb soll Ende 2027 auslaufen.
Für Idar-Oberstein ist das ein erheblicher Einschnitt. Noch vor wenigen Monaten bestand die Hoffnung, dass ein Käufer zumindest Teile des Standorts übernimmt und damit Arbeitsplätze erhalten werden können.
Beschäftigte werden über das Aus informiert
Nach SWR-Informationen war bereits am Freitag ein kleiner Kreis darüber informiert worden, dass die Suche nach einem Investor erfolglos geblieben sei. Am Montag soll nun die Belegschaft über die Entwicklung informiert werden. Eine neue öffentliche Mitteilung von BioNTech zum Ergebnis der Käufersuche lag am frühen Montagnachmittag zunächst noch nicht vor. Das Unternehmen hatte angekündigt, sich nach der Information der Beschäftigten öffentlich zu äußern.
Verkauf sollte die Schließung noch verhindern
BioNTech hatte Anfang Mai angekündigt, den Produktionsstandort in Idar-Oberstein bis Ende 2027 aufzugeben. Gleichzeitig ließ der Konzern aber eine wichtige Tür offen: Für den Standort sollten Möglichkeiten eines teilweisen oder vollständigen Verkaufs geprüft werden. Ende August erklärte BioNTech noch, diese Optionen bis Ende September auszuloten. Für die Beschäftigten und die Stadt war das die verbliebene Hoffnung auf eine Zukunft des Werks. Nach den aktuellen Informationen hat sich diese Hoffnung nun offenbar zerschlagen.
Lage soll Käufersuche erschwert haben
Interessant ist dabei ein Detail aus der aktuellen SWR-Recherche: Demnach sollen die Chancen für eine Übernahme von Idar-Oberstein von Beginn an gering gewesen sein. Als Grund wird insbesondere die geografische Lage genannt. Das steht in einem bemerkenswerten Gegensatz zu den Hoffnungen, die es nach Bekanntwerden der Schließungspläne in der Region gab. Oberbürgermeister Frank Frühauf hatte im Mai gerade die vorhandenen Labore, die Infrastruktur und die hochqualifizierten Beschäftigten als Argumente für eine Übernahme hervorgehoben.
BioNTech investierte rund 50 Millionen Euro
Wie stark sich die Perspektive für den Standort innerhalb kurzer Zeit verändert hat, zeigt ein Blick zurück. Noch im März 2025 beschäftigte BioNTech in Idar-Oberstein 529 Menschen. Nach damaligen Angaben waren rund 50 Millionen Euro in den Standort investiert worden. BioNTech hatte zwei Gebäude neu errichtet und zwei weitere erworben. Damals waren auch Sanierungen und Erweiterungen vorhandener Gebäude ein Thema. Wenig mehr als ein Jahr später kündigte der Konzern den Rückzug an. Inzwischen arbeiten nach Angaben aus diesem Jahr noch rund 440 Menschen am Standort.
Der Standort brachte der Stadt Millionen
Die Bedeutung von BioNTech für Idar-Oberstein reicht weit über die Arbeitsplätze hinaus. Besonders während der Corona-Pandemie profitierte die Stadt massiv von Gewerbesteuereinnahmen des Unternehmens. BioNTech selbst hatte in seinem Nachhaltigkeitsbericht für 2022 darauf hingewiesen, dass Idar-Oberstein bereits 2021 einen erheblichen Teil seiner Schulden zurückzahlen konnte – maßgeblich aufgrund der Gewerbesteuereinnahmen durch BioNTech. Auch der Landkreis Birkenfeld profitierte über die Kreisumlage. Der Verlust des Produktionsstandorts ist deshalb nicht nur für die unmittelbar betroffenen Beschäftigten von Bedeutung. Er trifft einen Arbeitgeber, der die finanzielle Situation der Stadt zeitweise erheblich verändert hatte.
Dass eine Übernahme grundsätzlich möglich gewesen wäre, zeigt ein anderes Beispiel. Für die Berliner Tochter JPT Peptide Technologies fand BioNTech einen Käufer. Ende August wurde eine entsprechende Vereinbarung bekanntgegeben.
Was passiert jetzt mit den 440 Beschäftigten?
Damit rückt eine andere Frage in den Mittelpunkt: Wie geht es für die rund 440 Beschäftigten weiter? Noch offen ist unter anderem, welche konkreten Angebote BioNTech für die Belegschaft macht und ob Beschäftigte an andere Standorte wechseln können. Ebenso ungeklärt ist, was nach dem geplanten Betriebsende mit den Gebäuden und Produktionsanlagen in Idar-Oberstein geschieht. Für Stadt und Landkreis dürfte zudem entscheidend werden, ob für das Gelände zumindest langfristig eine industrielle Nachnutzung gefunden werden kann.
Der Zeitplan steht zunächst fest: Ende 2027 soll der BioNTech-Betrieb in Idar-Oberstein auslaufen. Was im Mai noch als angekündigte Schließung mit einer möglichen Rettung durch einen Käufer begann, wird damit für rund 440 Beschäftigte immer konkreter.
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