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Schauspieler zeigen Wege aus der Sucht auf

Theater Requisit zu Gast in Idar-Oberstein.
Bild: Stadtverwaltung Idar-Oberstein/Eva Grosser

Mit einem besonderen theaterpädagogischen Angebot hat das Theater Requisit kürzlich Schüler aus Idar-Oberstein für das Thema Sucht sensibilisiert. Auf Einladung des Regionalen Arbeitskreises Suchtprävention im Landkreis Birkenfeld und des Kiwanis-Clubs Idar-Oberstein gastierte das Ensemble in der Göttenbach-Aula. Teilgenommen haben Schüler der Berufsbildenden Schule Idar-Oberstein, der Nahetalschule und der Realschule plus Idar-Oberstein.

Theater Requisit vermittelt Jugendlichen neue Perspektiven in der Suchtprävention

Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit dem Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung, Fachbereich Suchtprävention, durchgeführt und gefördert.

Das Theater Requisit unter der Leitung von Nora Steagner genießt in Rheinland-Pfalz einen hohen Stellenwert in der Präventionsarbeit. Eine Besonderheit des Ensembles ist, dass alle Darsteller außer der Theaterleiterin selbst früher suchtkrank waren. In Idar-Oberstein präsentierten die Schauspieler Pady, Johannes, Dominic und Sascha zunächst ein einstündiges Improvisationstheater. Anschließend kamen sie in mehreren Kleingruppen mit Schülern und Lehrkräften ins Gespräch. Vertreter des Regionalen Arbeitskreises Suchtprävention unterstützten die Gesprächsrunden fachlich.

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Einstündiges Improvisationstheater

Die Jugendlichen konnten das Bühnenprogramm aktiv mitgestalten, indem sie Themen und Stimmungen vorgaben und Sätze ergänzten. So entwickelte sich ein abwechslungsreiches Theaterstück, das zunächst keinen direkten Bezug zum Thema Sucht hatte. Die kreative Beteiligung kam beim Publikum gut an und schuf eine lockere Atmosphäre.

Nora Steagner erklärte, dass der Verein ausschließlich Menschen aufnimmt, die früher suchtkrank waren und seit mindestens drei Monaten abstinent leben. Die offene und vertrauensvolle Stimmung des Improvisationstheaters helfe dabei, Hemmungen abzubauen und den Zugang zu den anschließenden Gesprächen über Sucht zu erleichtern. Auch Bernd Wiesemes, Präsident des Kiwanis-Clubs Idar-Oberstein, betonte die Bedeutung eines Austauschs auf Augenhöhe mit jungen Menschen.

In den Gesprächsrunden ging es um mögliche Ursachen von Abhängigkeit, unterschiedliche Suchtverläufe und Wege aus der Sucht. Die Schüler erhielten zudem Informationen über regionale Fachberatungsstellen und deren Hilfsangebote. Die fest angestellten Schauspieler sind speziell für diese Gespräche geschult. Sie berichten über erste Anzeichen einer Abhängigkeit und darüber, wie ein Ausstieg gelingen kann. Dabei vermitteln sie, dass der Weg aus der Sucht Höhen und Tiefen haben kann und Rückfälle Teil des Prozesses sein können.

Arbeit des Theater Requisit

Steagner hob die Bedeutung einer motivierenden Gesprächsführung hervor. Dabei gehe es darum, bereits entwickelte Bewältigungsstrategien zu stärken und vorhandene persönliche Ressourcen aufzuzeigen. Die Arbeit beim Theater Requisit könne auch für die ehemals suchtkranken Darsteller selbst eine stabilisierende Wirkung haben.

Auch die Lehrkräfte nahmen an einer Gesprächsrunde mit der Theaterleiterin teil. Schauspielerin Pady berichtete dabei von ihren persönlichen Erfahrungen. Traumatische Erlebnisse in ihrer Kindheit hätten bei ihr zur Sucht beigetragen. Inzwischen habe sie ihre Geschichte therapeutisch aufgearbeitet und reflektiert. Um das Rückfallrisiko zu verringern, habe sie sich dem Theater Requisit angeschlossen und ihr früheres Umfeld verlassen.

Sabine Moser und Sebastian Herzig vom Stadtjugendamt Idar-Oberstein sehen in dem Konzept einen gelungenen Ansatz für die Präventionsarbeit. Beide führen auch die Workshops „Tom und Lisa“ zur Alkoholprävention durch. Ihrer Einschätzung nach lassen sich Jugendliche nicht nur durch Verbote erreichen, sondern auch dadurch, dass ihnen Lebensfreude, Spaß und neue Perspektiven vermittelt werden. Risikomanagement statt reiner Verbote sei zudem ein zentraler Gedanke des Alkoholpräventionsprogramms HaLT – Hart am Limit, das beim Stadtjugendamt angesiedelt ist.

Die Schulsozialarbeiterin Sophie Schwinn zog eine positive Bilanz. Die Veranstaltung habe bei den Schülern großes Interesse geweckt, ihnen eine besondere Theatererfahrung ermöglicht und ihr Wissen über Abhängigkeit erweitert. Auch aus dem Umfeld der Schülerschaft seien positive Rückmeldungen eingegangen. Im Anschluss erhielten die Jugendlichen einen Reflexionsbogen.

Aufgrund der positiven Resonanz prüfen die Organisatoren, im kommenden Jahr mehrere Veranstaltungen mit dem Theater Requisit in Idar-Oberstein anzubieten.

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