Neue Schule, neue Kita, mehr Projekte: In Bad Kreuznach wächst der Druck auf die Verwaltung. In der kommenden Stadtratssitzung geht es deshalb um eine Frage, die auf den ersten Blick technisch klingt, für die Stadtentwicklung aber entscheidend werden kann: Reichen die bisherigen Vergabe-Strukturen noch aus, um künftige Bauvorhaben sauber, schnell und rechtssicher auf den Weg zu bringen?
Worum es in der Sitzung geht
- Die Stadt rechnet mit deutlich mehr Vergabeverfahren
- Bislang werden Ausschreibungen dezentral in den Fachämtern bearbeitet
- Die Verwaltung empfiehlt den Aufbau einer zentralen Vergabestelle
- Eine Zusammenarbeit mit anderen Kommunen gilt aktuell als schwer umsetzbar
Hintergrund ist ein Sachstandsbericht zur interkommunalen Zusammenarbeit. Darin legt die Verwaltung offen, dass gerade im Bereich Vergabe Handlungsbedarf gesehen wird. Bislang organisiert jedes Fachamt seine Verfahren weitgehend selbst. Eine zentrale Stelle mit übergreifender Verantwortung gibt es in Bad Kreuznach bisher nicht.
Genau das könnte in den kommenden Monaten zum Problem werden. Denn mit größeren Vorhaben wie dem Neubau der Grundschule am Bösgrunderweg und der Kita im Ellenfeld steigt der Aufwand deutlich. Nach Einschätzung der Verwaltung wächst insbesondere die Zahl der komplexen EU-weiten Vergaben stark an.
Aus zwei werden vierzehn
Die Zahlen zeigen, warum das Thema plötzlich brisant wird: Während im Jahr 2025 noch von rund zwei EU-Vergaben die Rede war, erwartet die Stadt für 2026 etwa 14 solcher Verfahren. Im Stadtbauamt summieren sich die Vergaben insgesamt auf rund 65 pro Jahr.
Damit geht es nicht mehr nur um einzelne Ausschreibungen, sondern um eine Größenordnung, die die Verwaltung dauerhaft fordert. Je mehr Projekte gleichzeitig vorbereitet werden, desto wichtiger werden klare Zuständigkeiten, einheitliche Abläufe und ausreichend Personal mit vergaberechtlicher Erfahrung.
Warum das für Bürger relevant ist
Das Thema wirkt zunächst wie ein internes Verwaltungsproblem. Tatsächlich hängt daran aber sehr konkret, wie schnell wichtige Projekte überhaupt vorankommen. Wenn Vergaben nicht rechtzeitig vorbereitet oder wegen formaler Fehler verzögert werden, trifft das am Ende nicht nur Akten und Fristen, sondern Bauvorhaben, die in der Stadt sichtbar werden sollen.
Gerade bei Schulen, Kitas oder größeren Infrastrukturmaßnahmen ist die Vergabe einer der entscheidenden Schritte. Ohne sie kann nicht gebaut werden. Läuft dieser Teil des Verfahrens stockend, geraten schnell auch Zeitpläne und Kosten unter Druck.
Verwaltung will zentrale Struktur aufbauen
Die Verwaltung zieht daraus eine klare Schlussfolgerung: Statt zuerst auf eine gemeinsame Lösung mit anderen Kommunen zu setzen, soll Bad Kreuznach zunächst die eigenen Strukturen stärken. Empfohlen wird der Aufbau einer zentralen Vergabestelle.
Aus Sicht der Verwaltung hätte das mehrere Vorteile. Verfahren könnten gebündelt, Standards vereinheitlicht und Zuständigkeiten klarer geregelt werden. Gerade mit Blick auf die steigende Zahl an Ausschreibungen wäre das ein Schritt, um die Stadt organisatorisch robuster aufzustellen.
Interkommunale Lösung vorerst keine echte Option
Eigentlich sollte auch geprüft werden, ob eine gemeinsame Vergabestelle mit anderen Kommunen möglich ist. Doch die Gespräche haben laut Vorlage gezeigt, dass potenzielle Partner bereits eigene Strukturen aufgebaut haben. Für eine Kooperation fehlt damit derzeit die praktische Grundlage.
Die Idee einer interkommunalen Zusammenarbeit wird zwar nicht komplett vom Tisch genommen. Kurzfristig setzt die Stadt aber offenbar darauf, das Problem intern anzugehen.
Auch externe Kosten steigen
Hinzu kommt ein finanzieller Aspekt. In der Vorlage wird darauf verwiesen, dass allein für externe Planungs- und Ingenieurleistungen im Zusammenhang mit den erwarteten Vergaben erhebliche zusätzliche Kosten entstehen können. Je komplexer die Verfahren werden, desto größer ist auch der Druck, diese professionell zu organisieren.
Die Stadtratssitzung behandelt damit ein Thema, das auf den ersten Blick sperrig wirkt, tatsächlich aber strategisch wichtig ist. Bad Kreuznach will investieren und zentrale Projekte voranbringen. Doch mehr Vorhaben bedeuten nicht automatisch, dass sie auch reibungslos umgesetzt werden. Dafür braucht es nicht nur Geld und politische Beschlüsse, sondern auch eine Verwaltung, die die formalen Verfahren stemmen kann.