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Rochuskapelle Bingen: Zwischen Pestgelübde und Rheinpanorama

Rochuskapelle Bingen: Zwischen Pestgelübde und Rheinpanorama
DIe St. Rochuskapelle in Bingen am Rhein / Foto: Daniel Klein
Rochuskapelle Bingen: Zwischen Pestgelübde und Rheinpanorama

Die Rochuskapelle hoch über Bingen am Rhein ist mehr als nur ein Kirchenbau. Sie erzählt 350 Jahre rheinische Geschichte, verbindet tiefen Glauben mit romantischer Natur und zieht jährlich Tausende Pilger und Wanderer aus Rheinland-Pfalz an. Für Rhein-Nahe-Bewohner ist sie perfekt erreichbar – nur 25 Autominuten von Bad Kreuznach entfernt.

Von der Pest zur Wallfahrt

Rochuskapelle Bingen: Zwischen Pestgelübde und Rheinpanorama

Alles beginnt 1666. Die Beulenpest rafft 1.300 Binger dahin – mehr als die Hälfte der Stadtbevölkerung. Verzweifelt gelobt der Stadtrat eine Kapelle für den Schutzpatron gegen Seuchen: den heiligen Rochus. 1677 weihen Kapuziner die erste Kapelle ein. Sie steht auf einem Berg, den bereits Kreuzfahrer als Bethlehemskapelle verehrten.

Doch Frieden währt kurz. 1795 zerstören französische Revolutionstruppen das Gotteshaus. 1814, nach einer Typhuswelle, entsteht ein Neubau. 1889 schlägt ein Blitz ein – nur das Mauerwerk überlebt das Inferno.

Gotische Pracht aus rotem Sandstein

1893-1895 schafft der Freiburger Architekt Max Meckel ein Meisterwerk. Die neugotische Dreischiffige Kirche aus rotem Mainsandstein beeindruckt mit filigranen Netzgewölben und hohen Spitzbögen. Bunte Glasfenster von Alexander Linnemann aus dem 19. Jahrhundert tauchen den Innenraum in warmes Licht.

Über dem Hochaltar thront eine barocke Rochusstatue aus dem 17. Jahrhundert. Goethe selbst stiftete 1814 ein Altarbild während des berühmten Rochusfests – er schwärmte: „Ein Ort voller Andacht und Naturpoesie.“

Das jährliche Highlight: Rochusfest

Rochuskapelle Bingen: Zwischen Pestgelübde und Rheinpanorama
Der Außenaltar am großen Wallfahrtsplatz an der St. Rochuskapelle

Seit 1677 pilgern jedes Jahr am 16. August Tausende den Rochusberg hinauf. Die Prozession startet in Bingen, vorbei an Weinbergen, bis zum großen Wallfahrtsplatz mit Außenaltar. Die achttägige Rochusoktav entwickelte sich zur größten Wallfahrt der Region.

Traditionell tragen Binger ihr „Rochuskind“ – ein bemaltes Holzbrett mit Kindergesichtern – in der Prozession. Die Bruderschaft St. Rochus organisiert das Fest bis heute. Besonders 2026 feiert man das 350-jährige Jubiläum des Gelübdes.

Der Rochusberg als Naherholung

Der 442 Meter hohe Berg bietet mehr als Spiritualität:

  • Panorama: Blick übers UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal bis Bad Kreuznach
  • Wanderwege: 45 Minuten ab Bingen Altstadt, kinderwagentauglich
  • Weinberge: Rieslingwanderung zu den Brunner-Weinlagen
  • Naturschutz: Orchideenwiesen und Wildkatzen-Territorium

Perfekt für Rhein-Nahe-Familien: Parkplatz direkt am Berg, Picknickwiese, Spielplatz. Im Winter lockt eine kleine Rodelbahn.

Praktische Besucherinfos

Anfahrt von Bad Kreuznach:

  • Auto: B9 Richtung Bingen (25 Min.), dann Rochusberg-Schild
  • ÖPNV: RB 26 bis Bingen, Fußweg 45 Min.
  • Fahrrad: Rheinradweg + Bergauffahrt (fitte Radler)

Besuchszeiten:

  • Täglich 8-19 Uhr (Sommer), 9-17 Uhr (Winter)
  • Führungen: Samstags 11 Uhr (Spende)
  • Kostenloser Eintritt

Kombi-Tipps:

  1. Wein + Wallfahrt: Brunner-Weingut direkt nebenan
  2. Familienausflug: Drachenfels + Burg Klopp + Rochuskapelle
  3. Ostern/Pfingsten: Extra-Gottesdienste mit Blaskapelle

Kulturelle Bedeutung heute

Die Rochuskapelle ist Teil des Oberen Mittelrheintals (UNESCO seit 2002). Sie symbolisiert rheinische Frömmigkeit und Widerstandskraft. In Zeiten von Hochwasser und Pipeline-Lecks (wie kürzlich in Bad Kreuznach) erinnert sie an die Kraft von Gemeinschaft und Glaube.

2026 Special: Zum 350. Pestgelübde-Jubiläum plant die Rochusbruderschaft Sonderausstellungen und ein Festkomitee mit Rhein-Nahe-Beteiligung.

Die Rochuskapelle verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf höchst eindrucksvolle Weise. Ob Pilger, Wanderer oder Nahe-Tourist – jeder findet hier seinen Moment der Ruhe über dem hektischen Rhein.

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Daniel Klein ist Redakteur bei Rhein Nahe Direkt.
Er berichtet vorrangig über lokale Nachrichten, Polizei- und Blaulichtmeldungen sowie aktuelle Ereignisse in der Rhein-Nahe-Region. Sein Schwerpunkt liegt auf sachlicher und präziser Berichterstattung.

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