Hohe Geschwindigkeiten, aber schwache Basis
Der Glasfaserausbau in Rheinland-Pfalz wird im aktuellen Statusbericht als Erfolg dargestellt, doch ein genauer Blick auf die Zahlen relativiert dieses Bild. Zwar verfügen mehr als 76 Prozent der Haushalte über Gigabit-Geschwindigkeiten, aber diese beruhen nur teilweise auf echter Glasfaser. Die Quote der Glasfaseranschlüsse bis ins Gebäude oder in die Wohnung liegt bei knapp 38 Prozent. Damit bleibt der strukturelle Ausbau hinter der Leistungsfähigkeit der Netze zurück, obwohl Glasfaser als langfristige Schlüsseltechnologie gilt.
Glasfaserausbau in Rheinland-Pfalz deutlich unter EU-Niveau
Beim Glasfaserausbau in Rheinland-Pfalz zeigt sich im europäischen Vergleich ein klarer Abstand. In der Europäischen Union liegt die durchschnittliche Glasfaserabdeckung bei rund 70 Prozent der Haushalte.
Mehrere Mitgliedstaaten überschreiten diese Marke deutlich, während Rheinland-Pfalz aktuell mit knapp 37 Prozent nur etwa die Hälfte dieses Werts erreicht. Der Abstand wird besonders sichtbar, wenn nicht die verfügbaren Geschwindigkeiten, sondern die technische Anschlussbasis betrachtet wird.
Nachbarländer setzen konsequent auf Glasfaser
Spanien zählt zu den europäischen Spitzenreitern beim Glasfaserausbau, denn dort sind mehr als 85 Prozent der Haushalte mit Glasfaser erreichbar. In Frankreich liegt die Glasfaserabdeckung sogar bei über 90 Prozent aller Haushalte. Auch skandinavische Länder wie Schweden oder Finnland erreichen Glasfaserquoten von teils über 75 Prozent. Portugal und Litauen liegen ebenfalls deutlich über dem EU-Durchschnitt und erreichen Glasfaserabdeckungen von rund 70 bis 80 Prozent. Im Vergleich dazu bleibt Rheinland-Pfalz mit knapp 37, trotz Fortschritten strukturell im unteren Bereich.
Deutschlandweit ähnliche Ausgangslage
Die Situation in Rheinland-Pfalz spiegelt dabei weitgehend die bundesweite Entwicklung wider. In Deutschland liegt die Glasfaserquote insgesamt bei rund 38 Prozent der Haushalte. Damit bleibt auch der Bundesdurchschnitt deutlich unter dem europäischen Mittelwert. Zwar sind vielerorts Gigabit-Geschwindigkeiten verfügbar, doch sie basieren häufig auf Übergangstechnologien.
Milliardeninvestitionen sollen Rückstand verringern
Der Statusbericht macht zugleich den finanziellen Umfang des Ausbaus deutlich. Rund 1,4 Milliarden Euro fließen aktuell von Bund, Land und Kommunen in den geförderten Breitbandausbau. Das Land Rheinland-Pfalz beteiligt sich mit mehr als 513 Millionen Euro an diesen Projekten. Derzeit befinden sich 61 geförderte Vorhaben in der Umsetzung, die über 212.000 Haushalte erreichen sollen.
Ob der Glasfaserausbau in Rheinland-Pfalz damit schneller zu europäischen Standards aufschließt, wird sich erst mittelfristig zeigen.