Low-Level-Agenten im Visier der Sicherheitsbehörden
Low-Level-Agenten geraten zunehmend in den Fokus der Sicherheitsbehörden, weil sie gezielt über soziale Netzwerke angeworben werden. Bürgerinnen und Bürger werden dabei über Messenger-Dienste kontaktiert, damit sie Spionage- oder Sabotagehandlungen übernehmen.
Die Aufträge klingen oft harmlos, doch sie können gravierende Folgen haben. Gefordert werden etwa Foto- und Videoaufnahmen sensibler Orte, aber auch Sachbeschädigungen, Drohnenüberflüge oder sogar Brandstiftungen. Im Fokus stehen Kritische Infrastrukturen, militärische Standorte und Unternehmen der Rüstungsindustrie. Auch Einrichtungen in Rheinland-Pfalz können betroffen sein, während fremde Staaten strategisch vorgehen.
Innenminister warnt vor gezielter Strategie
Innenminister Michael Ebling schlägt Alarm und spricht von einer klaren Bedrohung. „Sogenannte Low-Level-Agenten sind kein Randphänomen, sondern Teil gezielter Strategien fremder Staaten, um unsere Infrastruktur auszuspähen oder zu sabotieren. Wer sich dafür anwerben lässt, ob bewusst oder unbewusst, wird zum Werkzeug gegen die Sicherheit unseres Landes“, sagte der Minister.
Gerade junge Menschen geraten ins Visier, weil sie mit schnellem Geld gelockt werden. Vielen sei nicht bewusst, dass sie im Auftrag eines anderen Staates handeln könnten, während sie scheinbar einfache Aufgaben erledigen. Aktuell wird diese Methode vor allem mit Russland in Verbindung gebracht. Teilweise werde sogar offen im Netz für Sabotagetätigkeiten geworben, sodass Interessierte eigenständig Kontakt aufnehmen könnten.
Kampagne „Kein Wegwerf-Agent werden“ gestartet
Das Bundeskriminalamt, der Bundesnachrichtendienst, das Bundesamt für Verfassungsschutz und das Bundesamt für den Militärischen Abschirmdienst haben deshalb die Aufklärungskampagne „Kein Wegwerf-Agent werden“ gestartet.
Die Behörden wollen darüber informieren, wie Anwerbeversuche aussehen und welche Risiken bestehen. Ziel ist es, potenzielle Low-Level-Agenten frühzeitig zu sensibilisieren, damit sie Angebote erkennen und ablehnen.
Wer sich anwerben lässt, riskiert eine strafrechtliche Verfolgung. „Wer sich für geheimdienstliche Tätigkeiten oder Sabotageakte im Auftrag eines fremden Staates anwerben lässt, macht sich strafbar. Im Falle einer Verurteilung wegen verfassungsfeindlicher Sabotage oder geheimdienstlicher Agententätigkeit drohen erhebliche Freiheitsstrafen, in besonders schweren Fällen von bis zu zehn Jahren. Ich appelliere daher eindringlich an alle Bürgerinnen und Bürger, verdächtige Kontaktaufnahmen zu melden und entsprechende Angebote konsequent zurückzuweisen“, so Ebling.
Für Rheinland-Pfalz steht der Verfassungsschutz unter der Telefonnummer 06131 16-3773 sowie per E-Mail unter SPOCHybrid(at)mdi.rlp.de für Hinweise bereit. Hinweise zu verdächtigen Kontakten sollen konsequent gemeldet werden, damit mögliche Sabotage frühzeitig verhindert werden kann.