Das Alten- und Pflegeheim Haus Obentraut in Stromberg soll mithilfe eines gerichtlichen Eigenverwaltungsverfahrens wirtschaftlich saniert werden. Der Geschäftsbetrieb läuft nach Angaben des Unternehmens ohne Einschränkungen weiter. Die mehr als 70 Bewohner würden unverändert betreut und gepflegt. Auch die Löhne und Gehälter der mehr als 55 Beschäftigten in Stromberg seien bis auf Weiteres gesichert. Kündigungen wurden in der Mitteilung nicht angekündigt.
Gericht stimmt Eigenverwaltung zu
Die Geschäftsführung der Haus Obentraut Alten- und Pflegeheim GmbH hat beim Amtsgericht Mosbach einen Sanierungsantrag in Eigenverwaltung gestellt. Das Gericht habe dem Antrag nach der Prüfung der eingereichten Unterlagen bereits stattgegeben. Zeitgleich durchläuft die zur selben Unternehmensgruppe gehörende Gesa GmbH mit der Seniorenresidenz Im Taubenfeld im saarländischen Quierschied ein entsprechendes Verfahren. In beiden Häusern arbeiten insgesamt etwa 140 Menschen.
Versorgung soll ohne Abstriche weitergehen
Geschäftsführer Peter Paul Gruber versicherte, dass alle Bewohnerinnen und Bewohner weiterhin die vereinbarten Leistungen erhalten. Bei der Pflege und Versorgung solle es während der Sanierung keine Abstriche geben. Das Haus Obentraut betreut derzeit mehr als 70 Menschen unterschiedlicher Pflegegrade. Je nach verfügbarer Kapazität bietet die Einrichtung außerdem Kurzzeit- und Verhinderungspflege an. Die mehr als 55 Beschäftigten gestalten unter anderem ein Betreuungsprogramm. Externe Partner aus der Region bieten zusätzlich Physiotherapie, Logopädie und besondere Programme für Menschen mit Demenz an.
Fachkräftemangel und gestiegene Kosten belasten Pflegeheime
Als Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nennt die Geschäftsführung die Veränderungen in der Pflegebranche. Viele Einrichtungen fänden nicht genügend Fachkräfte und könnten deshalb vorhandene Pflegeplätze nicht vollständig belegen. Dadurch gingen Einnahmen verloren. Gleichzeitig verursache der Einsatz externer Arbeitskräfte zusätzliche Ausgaben. Hinzu kämen gestiegene Betriebskosten und ein hoher bürokratischer Aufwand.
Sanierungsoptionen werden geprüft
Geschäftsführer Gruber arbeitet im Verfahren mit den Restrukturierungsexperten Steffen Schneider, Dr. Georg Hüllen und Wolfgang Sigler von der Sozietät Schalast zusammen. In den kommenden Monaten sollen verschiedene Sanierungsmöglichkeiten geprüft und erste Maßnahmen umgesetzt werden. Schneider sieht nach eigenen Angaben gute Chancen für eine nachhaltige Sanierung. Beide Einrichtungen lägen zentral und verzeichneten eine entsprechend hohe Nachfrage. Zum vorläufigen Sachwalter für beide Gesellschaften bestellte das Gericht Rechtsanwalt Marc-Philippe Hornung von der Sozietät SZA Schilling, Zutt & Anschütz. Er soll die Verfahren im Interesse der Gläubiger begleiten.
Geschäftsführung bleibt im Amt
Bei einer Eigenverwaltung bleibt die bisherige Geschäftsführung grundsätzlich im Amt. Sie wird durch Sanierungsexperten unterstützt und von einem gerichtlich eingesetzten Sachwalter kontrolliert. Das Verfahren soll Unternehmen ermöglichen, ihren Geschäftsbetrieb fortzuführen und gleichzeitig eine wirtschaftliche Neuaufstellung zu erarbeiten. Ziel der Verantwortlichen ist es, das Haus Obentraut und die Seniorenresidenz Im Taubenfeld in den kommenden Monaten wieder in die schwarzen Zahlen zu führen.
Haus gehört zur Domus-Cura-Gruppe
Das Haus Obentraut und die Seniorenresidenz Im Taubenfeld gehören zur Domus Cura GmbH. Zur Unternehmensgruppe zählen sieben operativ tätige Gesellschaften mit insgesamt rund 640 Beschäftigten. Mehrere andere Einrichtungen der Gruppe befinden oder befanden sich ebenfalls in Sanierungs- beziehungsweise Insolvenzverfahren. Zwei Pflegeeinrichtungen in Neunkirchen und Crailsheim werden seit Februar in Eigenverwaltung fortgeführt. Nach Unternehmensangaben steht dort eine abschließende Sanierungslösung unmittelbar bevor. Zwei weitere Gesellschaften in Hüffenhardt und Hildesheim wurden nach herkömmlichen Insolvenzanträgen an neue Betreiber übertragen. Die Arbeitsplätze seien dabei erhalten geblieben.
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