Der VSR-Gewässerschutz hat am 18. Mai 2026 auf dem Speisemarkt in Bingen Brunnenwasseruntersuchungen durchgeführt. Insgesamt gaben 31 Bürger Wasserproben aus ihren Gartenbrunnen am Labormobil ab. Jede Probe wurde analysiert und anschließend mit einem ausführlichen Gutachten zur Nutzungsmöglichkeit des jeweiligen Brunnenwassers bewertet.
VSR-Gewässerschutz: Brunnenwasser in Bingen teilweise stark mit Nitrat belastet
„Wir analysierten die Wasserproben und erstellten für jede Probe ein ausführliches Gutachten zur Nutzungsmöglichkeit des jeweiligen Brunnenwassers, welches wir den Brunnenbesitzern zusandten. Damit möchten wir dazu beitragen, dass im Garten das oberflächennahe Grundwasser genutzt wird und die Trinkwasservorräte geschont werden“, erklärt Harald Gülzow, der das Projekt Brunnenwasseruntersuchungen koordiniert.
Die gemeinnützige Organisation hat die Ergebnisse inzwischen ausgewertet und sieht weiterhin eine hohe Nitratbelastung im Grundwasser. Nach Einschätzung des VSR-Gewässerschutzes hätten die zahlreichen Änderungen der Düngevorschriften in den vergangenen Jahren bislang nicht zu einer nachhaltigen Verringerung der Nitratwerte geführt. Gleichzeitig fehle den landwirtschaftlichen Betrieben die notwendige Planungssicherheit, um langfristig wirksame Maßnahmen umzusetzen.
Jede dritte Wasserprobe überschreitet den Grenzwert
Die EU-Nitratrichtlinie schreibt seit 1991 vor, dass im Grundwasser ein Nitratwert von 50 Milligramm pro Liter nicht überschritten werden darf. Nach Angaben des VSR-Gewässerschutzes zeigen die aktuellen Untersuchungsergebnisse, dass dieses Ziel weiterhin häufig verfehlt wird.
„In jeder 3. Probe aus den privat genutzten Brunnen stellten wir eine Überschreitung von 50 mg/l Nitrat fest“, erklärt Harald Gülzow. Besonders hohe Belastungen wurden in Kempten mit 258 Milligramm pro Liter, in Ockenheim mit 136 Milligramm pro Liter, in Gaulsheim mit 125 Milligramm pro Liter und in Büdesheim mit 78 Milligramm pro Liter festgestellt. Weitere Grenzwertüberschreitungen gab es unter anderem in Weiler mit 74 Milligramm pro Liter sowie in Waldalgesheim und Dietersheim mit jeweils 58 Milligramm pro Liter.
Kritik an der Umsetzung der Düngevorschriften
Nach Angaben des VSR-Gewässerschutzes galten zwischen 2022 und 2025 für sogenannte „Rote Gebiete“ mit hoher Nitratbelastung strengere Düngevorgaben. Diese Regelungen seien inzwischen ausgesetzt worden, nachdem das Bundesverwaltungsgericht die Kriterien zur Ausweisung dieser Gebiete als zu ungenau bewertet hatte. Daraufhin hoben alle Bundesländer die bisherigen Ausweisungen auf.
„Wir sind fassungslos wie schlampig die Umsetzung der Nitratrichtlinie angegangen wird“, erklärt Harald Gülzow. Er fordert eine schnelle Nachbesserung, damit in besonders belasteten Regionen wieder gezielte Maßnahmen zur Senkung der Nitratbelastung umgesetzt werden können.
VSR fordert Kombination verschiedener Maßnahmen
Nach Auffassung des VSR-Gewässerschutzes reicht es nicht aus, ausschließlich die Düngemengen zu reduzieren. Vielmehr müssten mehrere landwirtschaftliche Maßnahmen miteinander kombiniert werden.
„Es reicht nicht, nur die Düngemengen zu betrachten. Es müssen mehrere landwirtschaftliche Maßnahmen kombiniert werden“, sagt Harald Gülzow.
Als besonders wirksam bewertet der Verein den verpflichtenden Anbau von Zwischenfrüchten in nitratbelasteten Gebieten. Diese könnten verhindern, dass überschüssiger Stickstoff während der Wintermonate in das Grundwasser ausgewaschen wird. Im Landkreis Mainz-Bingen bestehen nach Angaben des Vereins 58 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen aus Ackerland. Auf denen sei das Risiko der Nitratverlagerung höher als auf dauerhaft begrüntem Grünland.
Darüber hinaus spricht sich der VSR-Gewässerschutz dafür aus, im Winter keine unbewachsenen Felder mehr zuzulassen und Agroforstsysteme als Ergänzung stärker einzusetzen, um die Verlagerung von Stickstoff in tiefere Bodenschichten zu reduzieren.
Weitere Informationen für Brunnenbesitzer
Wer den Untersuchungstermin in Bingen verpasst hat, kann die Auswertung der Brunnenwasseruntersuchungen für den Landkreis Mainz-Bingen auf der Internetseite des VSR-Gewässerschutzes einsehen. Dort informiert die Organisation auch darüber, wie Wasserproben noch bis Ende November per Post eingesendet werden können.