Der bisher namenlose Fußweg zwischen dem Telekom-Parkplatz und dem Justizzentrum in Bad Kreuznach trägt ab sofort den Namen Hans-Litten-Weg. Damit erinnert die Stadt an den Juristen Hans Litten, der bis heute als Symbol für Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Zivilcourage gilt. Zugleich soll die Benennung dazu beitragen, seine Geschichte dauerhaft sichtbar zu machen.
Erinnerung an einen mutigen Juristen
Hans Litten wurde vor allem durch den sogenannten Eden-Palast-Prozess im Jahr 1931 bekannt. Damals vertrat er Arbeiter, die bei einem Überfall von SA-Angehörigen verletzt worden waren. Im Laufe des Verfahrens ließ Litten den damaligen NSDAP-Vorsitzenden Adolf Hitler als Zeugen vor Gericht erscheinen und unterzog ihn einem mehrstündigen Kreuzverhör. Dabei konfrontierte er Hitler mit gewalttätigen Aktionen der SA und deckte gleichzeitig Widersprüche zwischen dessen öffentlichem Bekenntnis zur Legalität und dem tatsächlichen Vorgehen der Nationalsozialisten auf. Dadurch machte Litten deutlich, dass die Gewalt der SA eben nicht im Widerspruch zur Politik der NSDAP stand, sondern Teil ihrer Strategie war.
Damit erhielt Hans Litten deutschlandweite Aufmerksamkeit. Gleichzeitig geriet er jedoch selbst ins Visier der Nationalsozialisten. Nachdem Adolf Hitler 1933 die Macht übernommen hatte, verhaftete man Litten. Anschließend war er fünf Jahre lang in mehreren Konzentrationslagern inhaftiert, in denen man ihn schwer misshandelte. Schließlich starb er 1938 im Konzentrationslager Dachau im Alter von nur 34 Jahren.
Bis heute gilt Hans Litten deshalb als Sinnbild für den Mut, sich auch unter persönlichem Risiko für den Rechtsstaat, die Unabhängigkeit der Justiz und die Rechte von Minderheiten einzusetzen.
Kulturdezernent Mirko Helmut Kohl bezeichnete die Benennung des Weges deshalb als Erinnerung und zugleich als Mahnmal. Außerdem betonte er, dass gerade die unmittelbare Nähe zum Justizzentrum den Standort besonders passend mache.

Initiative kam vom Rechtsanwaltsverein
Die Idee für den Hans-Litten-Weg stammt vom Verein der Rechtsanwälte beim Landgericht Bad Kreuznach. Nach Angaben des Vereins bestand der Wunsch nach einer Würdigung bereits seit rund 20 Jahren. Nachdem das Vorhaben zunächst nicht umgesetzt worden war, griff der Verein die Idee vor gut einem Jahr erneut auf. Daraufhin beantragte er die Benennung des bislang namenlosen Weges. Schließlich stimmte der Stadtrat dem Vorschlag einstimmig zu, sodass die Umbenennung nun umgesetzt werden konnte.
Informationstafel soll folgen
Neben dem Straßenschild soll künftig außerdem eine Informationstafel über das Leben und Wirken Hans Littens informieren. So sollen Besucher nicht nur den Namen kennenlernen, sondern auch mehr über seinen Einsatz für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und eine unabhängige Justiz erfahren.