Die Stadtverwaltung Bingen stellt beim 28. Vergabetag Rheinland-Pfalz ein eigenes Praxisbeispiel vor. Im Mittelpunkt steht das Familienzentrum Josef Metzroth in Bingen-Bingerbrück. Die Veranstaltung findet am 9. September 2026 in Nieder-Olm statt.
Vergabetag 2026: Wettbewerb als fester Bestandteil der Planung
Christine Kreis vom Bauamt und Soner Diken vom Amt für Gebäudewirtschaft berichten gemeinsam mit Christopher Unger vom Architekturbüro Studiobornheim Unger Ritter Architekten über die Erfahrungen der Stadt mit Planungswettbewerben und Vergabeverfahren.
In den vergangenen Jahren setzte Bingen bei mehreren größeren Projekten auf Wettbewerbe oder vergleichbare Verfahren. Dazu gehörten unter anderem die Mehrzweckhalle Kempten, der Rathausplatz Büdesheim, der Venarey-les-Laumes-Platz und die Konzeptvergabe Franz-Burkard-Straße. Auch bei der Neuausrichtung des Verwaltungsstandortes Mainzer Straße und beim Umfeld der Burg Klopp kommen entsprechende Verfahren zum Einsatz.
19 Entwürfe für das Familienzentrum Josef Metzroth
Das Familienzentrum Josef Metzroth entstand vor dem Hintergrund der Aufnahme Bingen-Bingerbrücks in die Förderkulisse „Soziale Stadt“. Untersuchungen hatten einen erhöhten Unterstützungsbedarf für Familien in schwierigen sozialen Lagen sowie einen Sanierungsbedarf bei den bestehenden Kindertagesstätten gezeigt.
Unter dem Leitgedanken „Alles unter einem Dach“ entstand eine Einrichtung mit einer sechsgruppigen Kindertagesstätte für bis zu 120 Kinder sowie einem Familienzentrum für Beratung, Bildung und Begegnung.
Für das vergleichsweise kleine Grundstück in der Hildegardisstraße musste ein Höhenunterschied von rund neun Metern berücksichtigt werden. Die Stadt entschied sich deshalb für ein dreistufiges Verfahren aus Teilnahmewettbewerb, nicht offenem Realisierungswettbewerb nach RPW und anschließendem VgV-Verhandlungsverfahren.
Aus 19 eingereichten Wettbewerbsbeiträgen ging der Entwurf von Studiobornheim Unger Ritter Architekten als Sieger hervor. Das Büro erhielt anschließend den Auftrag. 2025 nahm das Familienzentrum den Betrieb auf. Ergänzt wird das Gebäude durch ein Kunst-am-Bau-Werk des Frankfurter Künstlers Anselm Baumann.
Hoher Aufwand, aber gute Ergebnisse
Die Stadt zieht eine positive Bilanz der Verfahren. Planungswettbewerbe erfordern zwar viel Zeit, Personal und finanzielle Mittel. Die erzielten Ergebnisse und die hohe bauliche Qualität sorgten in Bingen jedoch dafür, dass diese Form der Vergabe zunehmend auf politische und verwaltungsinterne Akzeptanz stieß.
Das Familienzentrum Josef Metzroth gilt inzwischen als Vorzeigeprojekt für moderne Quartiers- und Sozialraumarbeit sowie als Beitrag zur Baukultur.
Oberbürgermeister Thomas Feser betont hierzu: „Das Familienzentrum Josef Metzroth zeigt, was möglich ist, wenn man sich die Zeit nimmt, ein Verfahren sorgfältig aufzusetzen und konsequent durchzuziehen. Ich freue mich, dass unsere Kolleginnen und Kollegen diese Erfahrungen jetzt auch anderen Kommunen im Land zur Verfügung stellen.“
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