BAD KREUZNACH. Eigentlich sollte das neue Rathaus am Kornmarkt die Stadtverwaltung stärker unter einem Dach zusammenführen. Doch inzwischen ist klar: Das Gebäude Kornmarkt 5 allein reicht dafür nicht aus. Die Stadt muss auch künftig zusätzliche Büroflächen nutzen oder eine andere Lösung finden.
Das wurde beim aktuellen Sachstandsbericht zum Projekt Kornmarkt 5 im Stadtrat deutlich. Dabei zeigt der Blick zurück, wie sehr sich die ursprünglichen Pläne inzwischen verändert haben.
305 Beschäftigte sollten am Kornmarkt Platz finden
Als der Stadtrat Ende 2022 die geänderte Planung für das ehemalige Sparkassengebäude beschloss, war das Ziel klar: Die damals vorgesehenen 305 Beschäftigten sollten im Kornmarkt 5 untergebracht werden. Die Hochstraße 48 sollte anschließend nicht mehr als dauerhafter Verwaltungsstandort benötigt werden. Doch bereits wenige Monate später zeichnete sich ab, dass die Rechnung nicht vollständig aufgeht. Im März 2023 wurde der Stadtrat darüber informiert, dass die gesamte Verwaltung nicht im neuen Rathaus untergebracht werden kann.
Verwaltung ist seitdem deutlich gewachsen
Hinzu kommt: Die Stadtverwaltung ist gewachsen. 2023 lag die Ausgangsbasis bei rund 345 Beschäftigten. Inzwischen sind es an den drei betroffenen Standorten rund 385. Etwa 295 von ihnen arbeiten bereits im Kornmarkt 5. Rund 40 Beschäftigte sind weiterhin in der Hochstraße 48 untergebracht, weitere rund 50 im Stadtbauamt in der Viktoriastraße 13. Gerade die Viktoriastraße macht die weitere Planung schwierig. Das Stadtbauamt soll nach Abschluss der laufenden Elektro- und Netzwerkarbeiten umziehen. Diese Arbeiten haben begonnen und liegen nach Angaben der Verwaltung im Zeitplan.
Hochstraße behalten oder neue Lösung finden?
Für alle derzeit außerhalb des Rathauses Beschäftigten ist am Kornmarkt allerdings kein Platz. In der gestrigen Stadtratssitzung wurde deshalb deutlich ausgesprochen: Entweder muss die Hochstraße 48 als Verwaltungsstandort erhalten bleiben oder die Stadt braucht eine andere Lösung. Aus dem Stadtrat kam bereits der Hinweis auf eine Büroimmobilie in unmittelbarer Nähe des Rathauses, die derzeit zum Verkauf steht. Eine konkrete Planung der Stadt oder einen entsprechenden Beschluss gibt es dazu bislang jedoch nicht. Damit steht eine grundsätzliche Frage wieder auf der Tagesordnung: Wie viele Gebäude braucht die Bad Kreuznacher Stadtverwaltung langfristig und wo sollen die Beschäftigten untergebracht werden?
Auch bei den Kosten bleiben Fragen offen
Parallel dazu beschäftigt den Stadtrat die finanzielle Entwicklung des Projekts. Für die ursprünglich geplanten Umzüge waren rund 2,4 Millionen Euro veranschlagt worden. Nach Angaben in den aktuellen Unterlagen wurden bislang rund 1,57 Millionen Euro für umzugsbedingte Maßnahmen ausgegeben. Daneben stehen weitere Arbeiten am Gebäude an. Besonders ins Gewicht fällt die Tiefgarage. Für deren Sanierung wird derzeit mit rund 2,6 Millionen Euro gerechnet. Auch Arbeiten am Dach und weitere technische Maßnahmen stehen auf der Liste. Wie sich die tatsächlichen Kosten im Vergleich zu den ursprünglichen Planungen entwickelt haben, konnte in der Sitzung noch nicht vollständig beantwortet werden. Genau diesen Vergleich hatte ein Ratsmitglied eingefordert. Die Verwaltung will deshalb bei einem der nächsten Berichte genauer gegenüberstellen, welche Arbeiten ursprünglich eingeplant waren, welche später hinzugekommen sind und welche Kosten tatsächlich entstanden sind.
Aus einem Rathausprojekt wird wieder eine Standortfrage
Das Gebäude Kornmarkt 5 ist inzwischen zum zentralen Verwaltungsstandort der Stadt geworden. Zahlreiche Ämter und wichtige Dienstleistungen für Bürger sind dort gebündelt. Das ursprüngliche Ziel, dadurch weitere Verwaltungsflächen weitgehend entbehrlich zu machen, ist bislang aber nicht erreicht. Durch die gestiegene Zahl der Beschäftigten hat sich die Ausgangslage zusätzlich verändert. Damit geht es beim Projekt Kornmarkt 5 längst nicht mehr nur um weitere Umbauten. Die Stadt muss entscheiden, wie ihre Verwaltung künftig räumlich aufgestellt werden soll.
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