BAD KREUZNACH. Für das Bäderhaus läuft die Zeit ab. Spätestens am 30. Juni 2027 soll der Betrieb eingestellt werden. Während über die Schließung inzwischen entschieden ist, bleibt eine andere wichtige Frage offen: Was passiert anschließend mit der historischen Immobilie mitten im Bad Kreuznacher Kurgebiet?
Die Stadt setzt auf einen Investor und will dabei nicht ausschließlich auf den Kaufpreis schauen. Vorgesehen ist ein „konzeptgebundenes Markterkundungsverfahren“. Interessenten sollen also nicht nur ein Angebot für die Immobilie abgeben, sondern auch zeigen, welche Nutzung sie für das Bäderhaus planen.
Dabei geht es um ein Gebäude mit langer Geschichte und erheblichem Wert. Das nach Plänen des Münchner Architekten Emanuel von Seidl errichtete Bäderhaus wurde 1911 eingeweiht. Nach schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg erfolgte der Wiederaufbau bis 1951. 1998 kaufte die BAD die Immobilie für rund eine Million Euro von der Rheuma-Heilbad AG. Danach wurden nach Angaben in den Stadtratsunterlagen rund zehn Millionen Euro investiert. Ende 2025 lag der Restbuchwert noch bei rund 4,83 Millionen Euro.
Stadt sucht nicht einfach den Höchstbietenden
Die künftige Nutzung soll wirtschaftlich funktionieren, gleichzeitig aber zu den städtebaulichen und strukturellen Vorstellungen Bad Kreuznachs passen. Damit soll die Stadt Einfluss darauf behalten, was an diesem prominenten Standort künftig entsteht. Ein fertiges Konzept gibt es bislang ebenso wenig wie einen Käufer. In der Stadtratsdebatte wurden jedoch verschiedene Möglichkeiten angesprochen. Dazu gehörte auch eine sogenannte Haus-in-Haus-Lösung, bei der neue Strukturen innerhalb der historischen Gebäudehülle entstehen könnten.
Als Beispiele für den Umgang mit ehemaligen Badehäusern wurden außerdem Bad Kissingen und Leipzig genannt.
Bad Kissingen fand nach langem Leerstand eine Lösung
Das Luitpoldbad in Bad Kissingen zeigt, wie eine Umnutzung funktionieren kann – allerdings erst nach einem langen Weg. Nach dem Ende des Badebetriebs stand ein großer Teil des historischen Komplexes jahrzehntelang leer. Zwischen 2013 und 2017 wurde das ehemalige Badehaus schließlich umfassend saniert. Heute wird es vor allem als Behördenzentrum genutzt. Auch die Spielbank nutzt Teile des Gebäudekomplexes, der Innenhof dient als Veranstaltungsort.
Eine neue Nutzung erhielt in Bad Kissingen auch das frühere Kurhausbad. Nach seiner Sanierung wurde es 2023 als „Haus für Gesundheitsmanagement“ eröffnet. Dort befinden sich unter anderem Büros und Labore des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.
Leipzig wartet seit mehr als 20 Jahren
Dass es deutlich schwieriger laufen kann, zeigt das Leipziger Stadtbad. Das 1916 eröffnete Gebäude wurde bereits 2004 geschlossen. Bis heute gibt es keine dauerhafte neue Hauptnutzung. Eine Förderstiftung bemüht sich um Erhalt und Wiederbelebung. Das historische Stadtbad wird inzwischen für Veranstaltungen, Dinnershows und Führungen genutzt. Eine vollständige Sanierung mit langfristigem Nutzungskonzept steht jedoch weiterhin aus.
Die beiden Beispiele zeigen damit zwei mögliche Entwicklungen: Eine erfolgreiche Umnutzung kann gelingen, sie kann aber Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern.
Alle drei Bad Kreuznacher Einrichtungen schreiben Verluste
Die Suche nach einer neuen Nutzung für das Bäderhaus ist auch Teil der finanziellen Neuordnung der BAD Gesellschaft. Dabei ist allerdings nicht nur das Bäderhaus defizitär. Auch Salinenbad und Crucenia Thermen verursachen Verluste. Der Stadtrat musste deshalb entscheiden, welche Angebote trotz der angespannten Finanzlage dauerhaft erhalten werden sollen.
Das Salinenbad erfüllt Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge und wird unter anderem von Schulen und Vereinen genutzt. Die Crucenia Thermen wiederum haben mit der Kreuznacher Sole eine besondere Bedeutung für Kur und Gesundheitsstandort. Das Bäderhaus wurde anders bewertet. Die Sauna- und Wellnessanlage gilt als freiwillige kommunale Leistung. Zudem sind dort notwendige Investitionen nach den Beratungen nicht in gleicher Weise förderfähig. Ein Verkauf könnte gleichzeitig helfen, die Darlehensverbindlichkeiten der Gesellschaft zu reduzieren.
Hermann Bläsius warnt vor einer „Ruine“
Ob sich tatsächlich ein Investor mit einem überzeugenden Konzept findet, ist offen. Hermann Bläsius von DIE GRÜNEN äußerte im Stadtrat erhebliche Zweifel an einer schnellen Vermarktung. Er warnte davor, dass nach der Schließung zunächst eine „Ruine“ zurückbleiben könnte, und verwies auf frühere Versuche, eine Lösung für das Bäderhaus zu finden.
Genau darin liegt eines der Risiken des Beschlusses: Der Betrieb endet spätestens Mitte 2027, eine Anschlussnutzung steht bislang aber nicht fest. Bis zur Schließung sind außerdem technische Vorbereitungen notwendig. Unter anderem müssen die Blockheizkraftwerke an der Crucenia Therme umgebaut und steuerliche Fragen geklärt werden. Für die Beschäftigten besteht nach bisheriger Einschätzung die Möglichkeit, sie innerhalb der bestehenden Gesellschaftsstruktur weiterzubeschäftigen.
Zwischen Neustart und jahrelangem Leerstand
Mit der Schließung endet damit zwar die bisherige Geschichte des Bäderhauses als Sauna- und Wellnessanlage. Die möglicherweise schwierigere Entscheidung steht Bad Kreuznach aber noch bevor. Bad Kissingen zeigt, dass ein historisches Badehaus nach langem Leerstand erfolgreich eine vollkommen andere Funktion bekommen kann. Leipzig zeigt gleichzeitig, dass selbst ein außergewöhnliches Gebäude nicht automatisch einen Investor und ein tragfähiges Konzept findet.
Für Bad Kreuznach wird deshalb entscheidend sein, welche Ideen das geplante Markterkundungsverfahren hervorbringt – und ob sich jemand findet, der aus dem historischen Bäderhaus ein wirtschaftlich tragfähiges neues Kapitel macht.
Mehr Nachrichten aus Bad Kreuznach lesen Sie HIER
Rhein Nahe Direkt als Lieblingsquelle bei Google festlegen
Du möchtest keine Nachrichten aus der Region verpassen? Füge Rhein Nahe Direkt bei Google als bevorzugte Quelle hinzu.
Jetzt als Lieblingsquelle festlegen