CALLBACH/NAHE-GLAN. In Callbach ist die nächste große Hürde genommen, in Becherbach beginnt das Planungsverfahren – und auch in Staudernheim, Lauschied sowie zwischen Jeckenbach und Löllbach sind große Photovoltaikflächen geplant. In der Verbandsgemeinde Nahe-Glan nimmt der Ausbau der Solarenergie damit deutlich Fahrt auf. Gleichzeitig rückt eine andere Frage immer stärker in den Mittelpunkt: Kann das Stromnetz mit der Vielzahl neuer Anlagen Schritt halten?
Der Solarpark Callbach ist dabei das derzeit am weitesten fortgeschrittene Projekt. Der Verbandsgemeinderat Nahe-Glan hat dem notwendigen Feststellungsbeschluss für die Änderung des Flächennutzungsplans Ende August zugestimmt. Zuvor hatten auch die betroffenen beziehungsweise angrenzenden Kommunen Schmittweiler, Rehborn, Reiffelbach und die Stadt Meisenheim ihre Zustimmung erteilt. Im Verbandsgemeinderat gab es drei Enthaltungen.
Solarpark Callbach wird seit Jahren geplant
Neu ist das Vorhaben allerdings keineswegs. Bereits im September 2020 hatte die Ortsgemeinde grundsätzlich grünes Licht gegeben. Projektierer ist nach den Planungsunterlagen die PIONEXT Service GmbH & Co. KG aus Alzey. Der vorgesehene Bereich liegt südlich von Callbach in Richtung Schmittweiler. Das gesamte Plangebiet umfasst nach den ursprünglichen Unterlagen rund 14 Hektar, wobei die tatsächlich eingezäunte Solarparkfläche kleiner ausfallen soll. Teile des Areals werden bislang landwirtschaftlich genutzt und liegen in einem im Regionalplan ausgewiesenen Vorranggebiet für Landwirtschaft. Genau deshalb waren umfangreiche planungsrechtliche Verfahren notwendig. Dass zwischen dem ersten Grundsatzbeschluss und dem jetzigen Stand rund sechs Jahre liegen, zeigt zugleich, wie lang der Weg von der ersten Solarpark-Idee bis zur möglichen Umsetzung sein kann.
Becherbach ist schon das nächste Projekt
Während Callbach auf die Realisierung zusteuert, läuft wenige Kilometer weiter bereits das nächste Verfahren. In Becherbach soll auf dem Roßberg ebenfalls ein Freiflächen-Solarpark entstehen. Der Becherbacher Gemeinderat beschäftigte sich bereits im Frühjahr mit dem Projekt. Im Juli stand dann der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Solarpark Am Roßberg“ auf der Tagesordnung. Ende August folgte das Projekt auch im Verbandsgemeinderat, weil für die Anlage der Flächennutzungsplan geändert werden muss. Damit stehen Callbach und Becherbach aber längst nicht allein.
Lauschied: Solarpark auf rund zehn Hektar
Auch in Lauschied wird eine größere Freiflächenanlage vorbereitet. Dort plant PIONEXT einen Solarpark mit einer Fläche von rund zehn Hektar. Das Verfahren läuft bereits seit 2024. Besonders ist auch hier die bisherige Nutzung der Flächen: Teile liegen in einem Vorranggebiet für Landwirtschaft. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord hatte deshalb bereits einer notwendigen Abweichung von den Zielen der Raumordnung zugestimmt. Im März 2026 beschäftigte sich der Verbandsgemeinderat erneut mit den eingegangenen Stellungnahmen und den weiteren Verfahrensschritten.
Staudernheim plant auf mehr als 14 Hektar
Noch größer wird es voraussichtlich in Staudernheim. Dort ist nordwestlich der Ortslage ein Solarpark auf bisher überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen vorgesehen. Die Planungsunterlagen nennen eine Fläche von rund 14 bis 16 Hektar, abhängig von der jeweiligen Abgrenzung des Plangebiets. Der Staudernheimer Gemeinderat hat sich Ende August erneut mit dem Bebauungsplan beschäftigt und die Stellungnahmen aus der bisherigen Öffentlichkeitsbeteiligung beraten. Damit ist auch dieses Projekt bereits deutlich über das Stadium einer ersten Idee hinaus.
Jeckenbach und Löllbach: Rund 19 Megawatt Leistung geplant
Ein weiteres Großprojekt befindet sich auf den Gemarkungen von Jeckenbach und Löllbach. Dort soll nach bisherigen Planungen auf etwa 16 Hektar eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von rund 19 Megawattpeak entstehen. Nach Angaben des Projektierers könnten damit rechnerisch jährlich bis zu 20,5 Millionen Kilowattstunden Strom produziert werden. Der Verbandsgemeinderat hatte bereits 2024 die dafür notwendige Fortschreibung des Flächennutzungsplans auf den Weg gebracht.
Auch Meisenheim prüft weitere Photovoltaikflächen
Und die Liste könnte noch länger werden. Der Meisenheimer Stadtrat fasste im Juni 2026 einen Grundsatzbeschluss zur Ausweisung von Photovoltaikflächen „Aufm Keddart“. Wie groß ein mögliches Projekt dort letztlich werden könnte, steht damit noch nicht abschließend fest. In der VG Nahe-Glan entsteht damit inzwischen eine ganze Reihe größerer Photovoltaikprojekte in unterschiedlichen Planungsstadien.
Das Stromnetz wird zum entscheidenden Faktor
Je mehr Solar- und Windkraftanlagen hinzukommen, desto wichtiger wird allerdings eine Frage, die auf kommunaler Ebene kaum gelöst werden kann: Wo kann der produzierte Strom überhaupt ins Netz eingespeist werden? Dass dieses Problem längst auf dem Tisch liegt, zeigt eine Sitzung des Verbandsgemeinderates vom Mai. Ein eigener Tagesordnungspunkt beschäftigte sich dort mit der „aktuellen Netzanschlusssituation für Projekte Erneuerbarer Energien“ und den Aufgaben und Herausforderungen der Verteilnetzbetreiber. Direkt danach stand ausgerechnet der Solarpark Callbach auf der Tagesordnung. Die Energiewende in Nahe-Glan entscheidet sich deshalb zunehmend nicht mehr allein daran, ob Gemeinden Flächen für Solarparks ausweisen wollen. Entscheidend wird auch sein, welche Projekte tatsächlich einen wirtschaftlich sinnvollen Netzanschluss bekommen – und wann.
Von Callbach bis Staudernheim: Die Solar-Landkarte füllt sich
Callbach, Becherbach, Lauschied, Staudernheim, Jeckenbach/Löllbach und möglicherweise weitere Flächen in Meisenheim: Zusammen betrachtet zeigen die Projekte, wie stark sich die Energieerzeugung in der ländlich geprägten Verbandsgemeinde verändert. Noch befinden sich längst nicht alle Anlagen unmittelbar vor dem Baustart. Die Verfahren reichen vom ersten Aufstellungsbeschluss bis zum nahezu abgeschlossenen Planungsverfahren. Doch die Richtung ist eindeutig: Auf den Höhen zwischen Nahe und Glan werden in den kommenden Jahren deutlich mehr Solarmodule stehen als heute.
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