Das Netzwerk Kinderschutz Alzey-Worms und seine Kooperationspartner haben am 7. September die Wanderausstellung „Betroffene zeigen Gesicht“ im Evangelischen Gemeindezentrum Flörsheim-Dalsheim eröffnet. Die Ausstellung gibt Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, Raum und macht ihre Erfahrungen sichtbar. Nach dem Auftakt in Flörsheim-Dalsheim ist sie ab dem 11. September im Kardinal-Volk-Haus in Alzey zu sehen.
Wanderausstellung „Betroffene zeigen Gesicht“
Bei der Eröffnung betonte Verena Nowak, Netzwerkkoordinatorin des Netzwerks Kinderschutz Alzey-Worms, die Bedeutung der Auseinandersetzung mit dem Thema. „Die Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt geht uns alle an“, sagte sie. Die Idee, die Ausstellung in den Landkreis zu holen, entstand, nachdem eine Kollegin sie in einem anderen Landkreis gesehen hatte. Besonders die Verbindung von persönlicher Auseinandersetzung, Austausch und Sichtbarkeit überzeugte das Netzwerk. Gemeinsam setzte es sich dafür ein, die Ausstellung auch in Alzey-Worms zu zeigen.
Landrat Heiko Sippel dankte allen Beteiligten für ihr gemeinsames Engagement. Gewalt finde weiterhin im Alltag statt – sowohl in engen sozialen Beziehungen als auch zunehmend im digitalen Raum. „Wir müssen wachsam bleiben und eine Kultur des Hinsehens entwickeln“, so Sippel. Die Ausstellung zeige, dass hinter den statistischen Zahlen persönliche Schicksale stünden. Gewalt wahrzunehmen und ihr entgegenzutreten, sei eine Verantwortung der gesamten Gesellschaft.
Entstehung der Ausstellung
Kuratorin Dr. Ilonka Czerny erläuterte bei der Eröffnung die Entstehung der Ausstellung. Sie hatte sie über einen Zeitraum von rund drei Jahren entwickelt. Zu sehen sind unter anderem 15 Kinderfotos aus der Zeit des Missbrauchs, ein während einer Therapie entstandenes Bild sowie ein Foto einer betroffenen Person im Erwachsenenalter. Ein Spiegel greift den Gedanken auf: „Das hätte auch ich sein können.“ Ein leeres Blatt steht für Menschen, die noch nicht oder nie über das Erlebte sprechen können.
Mit der Ausstellung will Czerny einen Zugang zum Thema schaffen, der über abstrakte Zahlen hinausgeht. Die Werke sollen dazu einladen, hinzusehen, zuzuhören und Einblicke in die Perspektiven der Betroffenen zu gewinnen. „Die Ausstellung berührt mich sehr“, sagte die Kuratorin. Ihren besonderen Dank richtete sie an die Betroffenen, die ihre Geschichten und Bilder zur Verfügung gestellt haben.
Auch Pfarrerin Mareike Stübing, zuständig für Dalsheim und Monsheim, hob die Bedeutung von Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit hervor. „Wir geben Betroffenen ein Gesicht und Sichtbarkeit“, sagte sie. Zugleich müsse sich die Kirche noch stärker mit ihrer Verantwortung auseinandersetzen. Informationen und Beratungsangebote vor Ort sollen den Besuchern zusätzliche Orientierung geben.
Während der Öffnungszeiten stehen Fachpersonen als Ansprechpartner zur Verfügung. Da die Ausstellung sexualisierte Gewalt thematisiert, kann der Besuch emotional belastend sein. Für Kinder unter 14 Jahren wird ein Besuch nicht empfohlen. Jugendlichen ab 14 Jahren empfehlen die Veranstalter, die Ausstellung gemeinsam mit einer erziehungsberechtigten oder einer anderen erwachsenen Bezugsperson zu besuchen.
Ausstellung in Dalsheim und Alzey
Im Evangelischen Gemeindezentrum Dalsheim ist die Ausstellung noch am 9. September von 15 bis 19 Uhr sowie am 10. September von 10 bis 12 Uhr zu sehen.
Anschließend gastiert „Betroffene zeigen Gesicht“ vom 11. bis zum 16. September im Kardinal-Volk-Haus in Alzey. Dort gelten folgende Öffnungszeiten: am 11. September von 13 bis 17 Uhr, am 12. und 13. September jeweils von 14 bis 17 Uhr, am 14. September von 15 bis 19 Uhr sowie am 15. und 16. September jeweils von 11 bis 14 Uhr.
Zusätzlich lädt das Netzwerk Kinderschutz Alzey-Worms gemeinsam mit Kuratorin Dr. Ilonka Czerny am 11. September um 14.30 Uhr in die Katholische Kirche St. Joseph in Alzey ein. Dort gibt es exklusive Einblicke in die Entstehung der Ausstellung und in die Geschichten hinter den Werken. Bei Snacks und Getränken besteht anschließend Gelegenheit zum Austausch und zur Information über regionale Beratungsangebote.
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