Die Schließung des Bäderhauses in Bad Kreuznach rückt näher: Der Finanzausschuss empfiehlt, den Betrieb spätestens zum 30. Juni 2027 einzustellen. Hintergrund sind Millionenverluste der städtischen Bädergesellschaft – endgültig entscheiden muss allerdings noch der Stadtrat.
Was bisher bekannt ist:
- Der Finanzausschuss empfiehlt die Schließung spätestens zum 30. Juni 2027.
- Das Bäderhaus verursacht nach Angaben der Bädergesellschaft jährlich rund eine Million Euro Verlust.
- Der Stadtrat soll am 27. August 2026 endgültig über die Zukunft des Bäderhauses entscheiden.
Vier Millionen Euro Verlust setzen Bädergesellschaft unter Druck
Die wirtschaftliche Lage der Bad Kreuznacher Bädergesellschaft ist angespannt. Nach Angaben der Geschäftsführung summierte sich der Verlust im Jahr 2025 auf rund vier Millionen Euro. Ab 2027 reiche die vorhandene Liquidität nicht mehr aus, um alle drei Einrichtungen dauerhaft weiterzubetreiben. Besonders schwer wiegt dabei das Bäderhaus. Allein die Einrichtung verursacht jährlich ein Minus von rund einer Million Euro. Gleichzeitig wären in den kommenden fünf Jahren weitere Investitionen und Unterhaltungsmaßnahmen von insgesamt etwa 2,5 Millionen Euro erforderlich. Das im Jahr 2000 eröffnete Bäderhaus ist inzwischen 26 Jahre alt. Mit zunehmendem Alter der Anlage steigt nach Einschätzung der Verantwortlichen auch der finanzielle Aufwand. Eine Schließung soll die Bädergesellschaft deshalb dauerhaft entlasten. Zwar wären im Jahr der Aufgabe einmalige bilanzielle Belastungen zu erwarten. Auf die Liquidität sollen sich diese nach den Erläuterungen zur Beschlussvorlage jedoch nicht unmittelbar auswirken.
Bad Kreuznach ringt um die Zukunft des Bäderhauses
Die Entscheidung fiel im Finanzausschuss nicht ohne Diskussion. Für die Befürworter einer Schließung gibt vor allem die finanzielle Situation den Ausschlag. Ohne eine grundlegende Veränderung drohe letztlich die Zahlungsunfähigkeit der gesamten Bädergesellschaft. Salinenbad und Crucenia-Therme sollen dagegen dauerhaft erhalten werden. Insbesondere die Therme spielt mit der Kreuznacher Sole eine wichtige Rolle für den Kurbetrieb und soll künftig gezielt weiterentwickelt werden. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Kommunale Saunaangebote sind nach den im Ausschuss genannten Auskünften der zuständigen Ministerien grundsätzlich nicht förderfähig. Für Bäder und Thermen bestehen dagegen Fördermöglichkeiten.
Auch die örtliche Hotellerie wurde nach Angaben der Geschäftsführung befragt. Demnach wird das Bäderhaus für den Tourismusstandort überwiegend als verzichtbar eingeschätzt. Anders sieht es bei der Crucenia-Therme aus, die von mehreren Hotels als wichtig für das touristische Angebot der Stadt bewertet wird.
Kritiker der Schließungspläne halten dagegen. Sie sehen im Bäderhaus nicht nur eine Freizeiteinrichtung, sondern einen Teil des touristischen Angebots und des Stadtbildes. Auch die Bezeichnung als bloßes „nice to have“ stieß in der Sitzung auf Widerspruch. Dabei geht es auch um die Folgen für die Innenstadt. Sollte nach einer Schließung kein tragfähiges Konzept für das Gebäude gefunden werden, könnte an prominenter Stelle langfristig ein Leerstand entstehen. Trotz dieser Bedenken hatte sich die fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe „Neustrukturierung städtische Gesellschaften“ nach Angaben in der Sitzung einstimmig für die Empfehlung ausgesprochen.
Für die Beschäftigten soll die Schließung dagegen nicht das berufliche Aus bedeuten. Die neun Vollzeitkräfte sollen in anderen Bädereinrichtungen oder städtischen Gesellschaften weiterbeschäftigt werden.
Höhere Parkgebühren geraten erneut in den Fokus
Politisch brisant dürfte nun eine weitere Frage werden: Was geschieht mit den erhöhten Parkgebühren in Bad Kreuznach? Der Stadtrat hatte die Gebühren zuvor angehoben. Die zusätzlichen Einnahmen sollten der Bädergesellschaft zugutekommen und damit auch einen Beitrag zum Erhalt des Bäderhauses leisten. Im Finanzausschuss wurde deshalb die Frage aufgeworfen, ob nach einer Schließung wieder das frühere Gebührenniveau gelten müsste. Eine klare Antwort darauf gab es nicht. Nach Angaben der Geschäftsführung habe die Erhöhung als Instrument zur Liquiditätssicherung nicht den gewünschten Effekt erzielt. Statt höherer Einnahmen seien die Erlöse eher zurückgegangen. Im Ausschuss war von einem Einnahmeausfall von rund 700.000 Euro die Rede. Ob die höheren Parkgebühren nach einer endgültigen Entscheidung über das Bäderhaus zurückgenommen werden, blieb offen. Damit dürfte das Thema die politischen Beratungen in den kommenden Wochen weiter begleiten.
Stadtrat entscheidet am 27. August über die Schließung
Beschlossen ist das Ende des Bäderhauses noch nicht. Die endgültige Entscheidung liegt beim Bad Kreuznacher Stadtrat. Nach der Beschlussvorlage soll er sich am 27. August 2026 mit der Empfehlung beschäftigen. Der Finanzausschuss geht mit seinem Votum sogar weiter als ursprünglich vorgesehen. Statt einer Schließung zum 31. Dezember 2027 soll der Betrieb spätestens am 30. Juni 2027 enden.
Parallel soll geklärt werden, was anschließend mit der Immobilie geschieht. Vorgesehen ist ein konzeptgebundenes Markterkundungsverfahren. Gesucht werden soll eine Nutzung, die wirtschaftlich tragfähig ist und zugleich zur städtebaulich sensiblen Lage des Gebäudes passt. Damit geht es bei der anstehenden Stadtratsentscheidung nicht nur um das Ende einer Bad Kreuznacher Freizeiteinrichtung. Sie entscheidet zugleich darüber, wie die Stadt ihre Bäderlandschaft künftig finanziert – und welche Rolle Salinenbad und Crucenia-Therme dabei übernehmen.
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