Das Hildegard-Festival hat gestern zahlreiche Menschen in den Bad Kreuznacher Kurpark gelockt. Den ganzen Tag über beschäftigte sich die Veranstaltung mit dem Leben und Wirken Hildegards von Bingen. Die Besucher kamen nach Angaben der Veranstalter teilweise von weit her.
Organisiert wurde das Festival von der Initiative „Wir sind Kreuznach“. Rund 100 ehrenamtliche Helfer waren nach Angaben von Moderator Jörg Pilawa an der Vorbereitung und Durchführung beteiligt.
Quizmaster trifft Nonne
Ein Höhepunkt war das Bühnengespräch „Quizmaster trifft Nonne“ zwischen Jörg Pilawa und Schwester Josefine. Die frühere Krankenschwester trat im Alter von 29 Jahren in das Benediktinerinnenkloster vom Heiligsten Sakrament in Osnabrück ein.
Heute berichtet sie auf TikTok und Instagram aus ihrem Alltag als Ordensfrau. Auf TikTok folgen ihr inzwischen rund 57.000 Menschen, einzelne Videos wurden millionenfach aufgerufen.
Im Gespräch mit Pilawa berichtete sie über ihre Entscheidung für das Kloster, das Zusammenleben der verschiedenen Generationen und die Bedeutung von Verzicht. Dabei verschwieg sie auch nicht, dass sie zwischenzeitlich bereits ihren Koffer gepackt hatte und kurz davorstand, das Kloster wieder zu verlassen.
Moderne Kommunikationswege für den Glauben
Schwester Josefine sieht keinen Widerspruch zwischen Kirche und sozialen Medien. Die Kirche habe zu jeder Zeit die jeweils vorhandenen Kommunikationsmittel genutzt. Heute erreiche sie über TikTok insbesondere Menschen unter 25 Jahren, die sonst kaum noch Berührungspunkte mit der Kirche hätten.
Auslöser war ein einzelnes Video, das über Nacht mehr als eine Million Aufrufe und rund 1.000 Kommentare erhielt. Mehr als 500 Nutzer stellten darin Fragen zu ihrem Leben. Seitdem veröffentlicht Schwester Josefine regelmäßig kurze Beiträge aus dem Kloster.
Die Videos hätten nicht nur die Bekanntheit der Gemeinschaft gesteigert. Inzwischen kämen auch deutlich mehr Übernachtungsgäste und junge Besucher ins Kloster. Einige hätten sie beispielsweise gebeten, ihnen das Rosenkranzgebet zu erklären.
Hildegard wäre heute vermutlich bei TikTok
Nach Einschätzung von Schwester Josefine hätte auch Hildegard von Bingen moderne Kommunikationskanäle genutzt. Sie habe ihre mystischen Erfahrungen weitergegeben, gepredigt und sich in politische Fragen eingemischt. Heute würde sie vermutlich über soziale Medien dazu aufrufen, hinaus in die Natur zu gehen und Gottes Schöpfung wahrzunehmen.
Hildegard sei weit mehr als eine Expertin für Kräuter und Heilkunde gewesen. Als Benediktinerin, Mystikerin, Komponistin, Predigerin, Wissenschaftlerin und politisch aktive Frau biete sie zahlreiche Anknüpfungspunkte.
Für Schwester Josefine ist Hildegard insbesondere wegen ihrer Mystik und ihres selbstbewussten Auftretens ein Vorbild. Sie habe entgegen Widerständen ein eigenes Kloster gegründet und sich sogar mit Päpsten und Kaiser Friedrich Barbarossa auseinandergesetzt.
Festival soll Menschen zusammenbringen
Schwester Josefine begrüßte die Idee, Hildegard von Bingen einen ganzen Festivaltag zu widmen. Deren vielfältiges Wirken bringe Menschen mit unterschiedlichen Interessen zusammen und schaffe unmittelbar Gesprächsstoff.
Gerade nach den Erfahrungen der Corona-Zeit sei es wichtig, wieder zusammenzukommen, miteinander zu reden, zu essen und zu trinken. Auch Jörg Pilawa würdigte das ehrenamtliche Engagement hinter der Veranstaltung. Solche Initiativen machten ihm Mut für die Zukunft.
Jörg Pilawa nennt Bad Kreuznach seine zweite Heimat
Pilawa hatte nach einem persönlichen Gespräch mit Mitorganisatorin Iris Prencipe zugesagt, das Festival zu moderieren. Seine Entscheidung habe er nicht bereut. Er bezeichnete die Veranstaltung als großen Gewinn für Bad Kreuznach.
Der Fernsehmoderator bekannte sich zugleich erneut zu seiner engen Verbindung mit der Stadt. In den vergangenen 13 bis 14 Monaten sei er häufig hier gewesen. Bad Kreuznach sei für ihn inzwischen zu einer zweiten Heimat geworden. Er lobte neben der Stadt und ihrem Umland insbesondere die Menschen in der Region.
Fortsetzung hängt von der Finanzierung ab
Mitorganisatorin Iris Prencipe zeigte sich am Ende des Festivaltages mit der Resonanz sehr zufrieden. Ob die Veranstaltung künftig regelmäßig stattfinden kann, soll nach einer Auswertung in den kommenden Wochen entschieden werden.
Entscheidend sei dabei die Finanzierung. Prencipe richtete deshalb insbesondere an das Land den Appell, das Festival zu unterstützen. Hildegard von Bingen sowie die damit verbundenen Themen Tourismus und Pilgern böten aus ihrer Sicht großes Potenzial für Rheinland-Pfalz.
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