16 Erzieherinnen von Kindertagesstätten und Grundschulen aus Mittelböhmen haben in der Verbandsgemeinde Herrstein-Rhaunen ein umfangreiches Fortbildungsprogramm absolviert. Die Weiterbildung wurde vom tschechischen Bildungsinstitut VISK organisiert und knüpfte an frühere gemeinsame Projekte im Rahmen der EU-Programme Comenius Regio und Erasmus an.
16 Erzieherinnen zu Besuch in Herrstein-Rhaunen
Zu den bestehenden Kooperationen gehört unter anderem die Partnerschaft zwischen der Berufsbildenden Schule Idar-Oberstein in Trägerschaft des Landkreises Birkenfeld und der Obchodní akademie Příbram. Der erste Fortbildungstag begann an der Wildenburg-Grundschule in Kempfeld. Schulleiterin Kathrin Döpp führte die Besuchergruppe trotz der Sommerferien durch die Schule und informierte über das System der frühkindlichen Bildung in Rheinland-Pfalz. Dabei beantwortete sie zahlreiche Fragen der Gäste.
Ein Schwerpunkt der Gespräche lag auf dem Umgang mit Sprachproblemen und Lernschwächen bei Kindern. Auch der neue Bürgermeister der Verbandsgemeinde Herrstein-Rhaunen, Markus Schulz, der bis April Schulleiter der Nahetal-Förderschule in Idar-Oberstein war, erläuterte verschiedene Fördermöglichkeiten und beantwortete Fragen der Teilnehmerinnen.
Während der Führung besichtigte die Gruppe Fachräume, die Schulküche sowie die Außenanlagen. Den Abschluss bildete das sogenannte Grüne Klassenzimmer, in dem naturnaher Unterricht stattfindet. Als anerkannte Nationalpark-Schule arbeitet die Wildenburg-Grundschule eng mit dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald zusammen und nutzt das Angebot der Wald- und Wildnispädagogik.
Praktische Umweltbildung im Nationalpark
Den gesamten Tag begleitete Verena Sauerbrei vom Nationalparkamt die tschechischen Gäste. Nach dem Mittagessen in Allenbach vermittelte sie am Nationalparktor Wildenburg im Wald zahlreiche praktische Methoden der Umweltbildung, die von den Erzieherinnen selbst ausprobiert wurden.
Auch Dr. Jan Rommelfanger, Leiter der Abteilung Umweltbildung, Naturerleben und Regionalentwicklung Nationalparktore, verfolgte das Programm. Den Abschluss des ersten Tages bildete der Besuch der Windklang-Skulptur auf dem Erbeskopf mit ihrem Ausblick über die Region.
Austausch über Kita-Alltag und Betreuungskonzepte
Am zweiten Fortbildungstag stand die Kindertagesstätte in Herrstein im Mittelpunkt. Kita-Leiterin Christina Lüttwitz informierte die Gäste über Ausstattung, Finanzierung, Arbeitsorganisation sowie die Vorschulbetreuung. Dabei wurden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem deutschen und dem tschechischen Betreuungssystem deutlich.
Die Erzieherinnen aus Mittelböhmen berichteten unter anderem über unterschiedliche Arbeitszeitmodelle und Vergütungsregelungen. Auf deutscher Seite stieß insbesondere die tschechische Regelung auf Interesse, nach der Beschäftigte ab dem ersten Krankheitstag nur 60 Prozent ihres Gehalts erhalten, um Vertretungskosten zu finanzieren. Ebenso berichteten die Gäste, dass Kinder in Tschechien bereits ab 6 Uhr morgens in einem Drei-Schicht-System betreut werden, um Eltern mit langen Pendelzeiten nach Prag zu unterstützen.
Begleitet wurde der Besuch in der Herrsteiner Kindertagesstätte vom ehemaligen Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Uwe Weber. Er begrüßte dabei auch die Dolmetscherin Lenka Lexova, mit der er bereits über 15 Jahre lang bei früheren Comenius-Projekten der Verbandsgemeinde zusammengearbeitet hatte. Damals waren unter anderem die Wildenburg-Grundschule, die Jugendfeuerwehr Herrstein sowie weitere Vereine an den internationalen Projekten beteiligt.
Besichtigungen und Dank zum Abschluss
Nach einem Rundgang durch den historischen Ortskern von Herrstein, einem Mittagessen in der Zehntscheune sowie einem Besuch des Wasserwissenswerkes an der Steinbachtalsperre endete das zweitägige Programm.
Die Teilnehmerinnen bedankten sich bei allen Beteiligten, insbesondere bei Oberstudienrat a. D. Michael Pelke, der die Planung und Organisation übernommen hatte. Pelke erklärte abschließend, dass er sich auch künftig gerne für die rheinland-pfälzisch-mittelböhmischen Beziehungen engagieren werde.