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Die Bauruine Salinenquartier ist wieder eine Baustelle

Bild: Rhein Nahe Direkt

Nach jahrelangem Stillstand wird auf der Baustelle des Bad Kreuznacher Salinenquartiers wieder gearbeitet. Seit Montag laufen Aufräumarbeiten und Maßnahmen zur Sicherung des Geländes. In der kommenden Woche sollen die eigentlichen Bauarbeiten beginnen.

Das neue Konzept sieht ein Hotel mit 115 Zimmern, einen Netto-Markt und einen kleinen Bäckereibereich vor. In zwei weiteren Gebäuden sollen rund 40 Wohnungen entstehen, die voraussichtlich von der Lebenshilfe genutzt werden. Die Gesamtinvestition wird nach Angaben der Projektentwickler deutlich über 30 Millionen Euro liegen.

Drei Jahre Stillstand haben Spuren hinterlassen

Oberbürgermeister Emanuel Letz zeigte sich bei einem Rundgang erschrocken über den Zustand, der während des rund dreijährigen Stillstands entstanden ist. Unter anderem hätten sich Tauben in den Gebäuden eingenistet. Innen und außen seien deshalb zunächst umfangreiche Aufräumarbeiten nötig.

Die Gerüste wurden bereits vor rund zwei Wochen aufgestellt. Teile des Bewuchses sind zurückgeschnitten worden. Außerdem muss die gesamte Baustelle neu gesichert werden.

Letz zeigte sich erleichtert, dass die Verhandlungen im Insolvenzverfahren abgeschlossen werden konnten. An dieser markanten Stelle mitten in der Stadt solle es künftig keinen „Lost Place“ mehr geben.

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Rohbau zu rund 70 Prozent fertig

Nach Einschätzung des Bad Kreuznacher Unternehmers Rolf Schneider ist der vorhandene Rohbau zu etwa 70 Prozent fertig. Danach stehen jedoch noch der vollständige Innenausbau und zusätzliche Bauarbeiten an.

Für den Hotelbetrieb werden unter anderem weitere Konferenz- und Fitnessräume benötigt. Die bestehenden Gebäudeteile sollen außerdem durch Verbindungsgänge miteinander verbunden werden.

Viele Arbeiten werden parallel ausgeführt. Dazu gehören die Fertigstellung des Rohbaus sowie Arbeiten an Dach, Fassade, Türen und Fenstern.

Investoren retteten frühzeitig die Bausubstanz

Noch bevor der Kauf aus dem Insolvenzverfahren endgültig abgeschlossen war, hatten die neuen Verantwortlichen auf eigenes Risiko und eigene Kosten erste Schutzmaßnahmen veranlasst.

Wasser wurde abgepumpt, Dächer wurden abgedichtet und die Tiefgarage vor eindringender Feuchtigkeit geschützt. Damit sollten weitere Schäden an der Bausubstanz und insbesondere Frostschäden verhindert werden.

Nach Angaben des Kirner Projektentwicklers Dag Stein konnte dadurch ein großer Teil des vorhandenen Rohbaus erhalten werden. Ein Abriss war ebenfalls geprüft worden, hätte aber annähernd so hohe Kosten verursacht wie die weitere Nutzung der bestehenden Substanz.

Hampton by Hilton erhält 115 Zimmer

Das Hauptgebäude, das ursprünglich überwiegend für Wohnungen vorgesehen war, wird vollständig zu einem Hotel umgebaut. Betreiber wird Hampton by Hilton. Der Mietvertrag ist nach Angaben der Verantwortlichen bereits unterzeichnet.

Das Hotel soll 115 Zimmer erhalten. Ergänzt wird es durch Konferenzräume, einen Fitnessbereich und eine Lobby. Der Vertrag für den Hotelbetrieb hat eine Laufzeit von 25 Jahren.

Ein Abendrestaurant ist im Hotel nicht geplant. Angeboten werden soll lediglich Frühstück. Dadurch sollen die Gäste für weitere Mahlzeiten die Gastronomie in der Bad Kreuznacher Innenstadt nutzen.

Netto will Ende 2027 eröffnen

Im Erdgeschoss bleibt der bereits früher vorgesehene Lebensmittelmarkt Bestandteil des Projekts. Netto hat für den Standort einen Mietvertrag über 18 Jahre unterzeichnet.

Der Markt soll nach dem aktuellen Zeitplan Ende 2027 eröffnen. Zusätzlich ist ein kleiner Bäckereishop vorgesehen. Für die Anlieferung des Supermarkts soll eine eigene Zufahrt genutzt werden.

Rund 40 Wohnungen für die Lebenshilfe

In zwei weiteren Gebäuden sollen rund 40 kleinere Wohneinheiten entstehen. Die Lebenshilfe hat Interesse daran, beide Häuser zu übernehmen. Die abschließenden Abstimmungen laufen noch.

Die Wohnungen werden an die Bedürfnisse der künftigen Bewohner angepasst. Sie sollen barrierefrei und, soweit erforderlich, behindertengerecht gestaltet werden.

Die zentrale Lage bietet nach Angaben der Projektentwickler einen besonderen Vorteil für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Einkaufsmöglichkeiten, Bahnhof und Innenstadt sind von dort aus ohne lange Wege erreichbar. Zugleich lassen sich Betreuung und Unterstützung leichter organisieren, wenn die Bewohner nicht auf viele einzelne Standorte verteilt sind.

Reiner Wohnungsbau war nicht mehr finanzierbar

Ursprünglich waren im Salinenquartier rund 200 Wohnungen vorgesehen. Dieses Konzept ließ sich nach der Insolvenz nicht mehr wirtschaftlich umsetzen.

Als Gründe nannten die Verantwortlichen die stark gestiegenen Preise für Baumaterialien und die insgesamt hohen Baukosten. Mehrere andere Interessenten hätten sich deshalb aus dem Projekt zurückgezogen.

Da es zugleich immer wieder Anfragen von Hotelketten für einen Standort in Bad Kreuznach gegeben habe, sei die Umnutzung naheliegend gewesen. Die Nähe zum Bahnhof, zur Fußgängerzone und zur Tiefgarage mache das Gelände für ein Hotel besonders geeignet.

Bauzeit wurde auf 18 Monate verkürzt

Der aktuelle Bauzeitplan sieht 18 Monate vor. Ursprünglich waren 24 Monate angesetzt. Während des langwierigen Insolvenzverfahrens wurden jedoch bereits Planungen, Genehmigungen und Abstimmungen mit der Stadt vorbereitet.

Nach Angaben von Dag Stein sind die formalen Voraussetzungen inzwischen erfüllt. Die Baugenehmigung liegt vor und die Verträge aus dem Insolvenzverfahren wurden vor rund drei bis vier Wochen endgültig freigegeben.

Die Wohneinheiten könnten möglicherweise noch vor der vollständigen Fertigstellung des Gesamtprojekts genutzt werden. Das Hampton-by-Hilton-Hotel soll Ende des ersten Quartals 2028 den Betrieb aufnehmen.

Mehr als 30 Millionen Euro aus privaten Mitteln

Die Fertigstellung wird nach Angaben der Projektentwickler mehr als 30 Millionen Euro kosten. Getragen wird die Investition von privaten Geldgebern und nicht von der Stadt oder den Bürgern.

Für das notwendige Eigenkapital konnten nach Angaben der Verantwortlichen mehrere Investoren aus der Region gewonnen werden. Das Projekt wird über eine eigene Projektgesellschaft abgewickelt.

Oberbürgermeister Letz geht davon aus, dass sich das neue Quartier nach seiner Fertigstellung schnell in das Stadtbild einfügen wird. Dann werde anstelle der langjährigen Bauruine ein Hotel-, Einkaufs- und inklusiver Wohnstandort entstehen.

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Thorsten Subat arbeitet als Redaktionsleiter bei Rhein Nahe Direkt.Sein Fokus liegt auf kommunalen Themen, Veranstaltungen und gesellschaftlich relevanten Entwicklungen. Dabei legt er Wert auf gründliche Recherche und verständliche Darstellung komplexer Themen.